Mein erster Buko
Am Freitag den 13. Mai um 8:54 Uhr in Ravensburg am Bahnhof warte ich wie ein wohlgeschmückter Tannenbaum mit viel Gepäck auf den Zug.
Diesmal geht es nach Würzburg zum Bundeskongress der GJ – für mich zum ersten Mal.
Mit dabei ist Florian, der schon einige Male schon dort war und viele Fragen, mit denen ich ihn durchlöchere, geduldig und ausführlich beantwortet.
Es gibt eine Antragsmappe, die ganze 50 Seiten stark ist und jedes erdenkliche Thema enthält, welches in letzter Zeit in der gesellschaftlichen und politischen Debatte präsent war. Von PDI über Säkularismus bis hin zur Netzpolitik ist alles vertreten und darüber soll auf dem Buko abgestimmt werden- keine leichte Kost sich in dem Buchstabengewirr und den vielen Regeln und Änderungsanträgen zurecht zu finden.
Nach fünf Stunden Zugfahrt erreichen wir schließlich Würzburg und laufen dort vom Bahnhof bis zum Veranstaltungsort.
Für Freitag ist noch nicht sehr viel geplant, da die meisten erst samstags anreisen, doch es gibt eine Mitgliederversammlung und am Abend eine „Fish – Bowl“-Diskussion zum Thema „Bündnis 90/Die Grünen: Letzte Ausfahrt Volkspartei?“ moderiert von Agnieszka Malcak (MdB). Steffi Lemke (Polit. Geschäftsführerin Bü´90/Grüne) und Dieter Janecek
(Vorsitzender Bü´90/Grüne Bayern) sind die Gäste.
Das Format „Fish-Bowl“ bedeutet, dass jeder die Möglichkeit hat sich vorne auf einen von drei Stühlen zu setzen und kritische Fragen einbringen kann. Dass so viele wie möglich daran teilnehmen können, werden die neugierigen Diskussionsteilnehmer jeweils nach einer Fragerunde von anderen aus dem Publikum abgelöst, die selbst brennende Anliegen haben. Ich empfand die Diskussion als äußerst interessant und aufschlussreich und durch die offene Form konnten sehr viele daran teilhaben und auch viele Zweifel und kritische Fragen äußern.
Der Abend endete mit einer offenen Bühne, bei der von Slam Poetry bis hin zu Gesang alles dabei war.
Am Samstagmorgen ging es um 8:30 Uhr mit einem sehr leckeren und reichhaltigen Frühstück los, welches von der Schulkantine vorbereitet wurde – und das alles selbstverständlich vegan.
Ein persönliches Highlight dieses Bukos war für mich der Workshop, den ich besuchte. Es wurden mehrere Workshops angeboten wie z.B. „Eindrücke aus dem postrevolutionären Ägypten“, „Rette den Euro!“, „Alternative Schulkonzepte vs. dreiteiliges Schulsystem“ oder „Sprache als politisches Instrument“ und viele mehr. Ich entschied mich für letzteren.
Der Referent Peter Croonenbroeck ist Deutscher Meister im Debattieren 2010 und Student der Rhetorik, Philosphie und Geschichte an der Universität Tübingen. Zunächst berichtete er über die Rhetorik allgemein, gefolgt von einem zweiten Teil, bei dem sich die Workshop-Teilnehmer selbst an Texten versuchen konnten. Eine Aufgabe war z.B. einen Bericht über das Waffenschutzgesetz so umzuschreiben, dass er vorteilhaft für die Waffenlobby sein sollte. Zum Schluss gab es noch sehr interessante Einblicke in den Politikalltag und wie Sprache dort bewusst instrumentalisiert wird.
Nach diesem äußerst informativen Workshop trafen sich die Fachforen. Ich besuchte das Treffen des Fachforums Nahost, bei dem die Teilnehmer einer Israelreise über ihre Erfahrungen und Eindrücke berichteten.
Nach dem Mittagessen gab es eine Fortsetzung der Mitgliederversammlung, bei der Anträge wie die „Kulturflatrate“, „Säkularismus“ oder „PDI“ beschlossen und debattiert wurden.
Die Diskussion zur „PDI“ erlebte ich auch persönlich als äußerst emotional und kontrovers.
Um 22 Uhr gab es dann noch eine Party in der Mensa der Universität Würzburg mit jeder Menge guter Laune und Musik.
Am letzten Tag des Bukos stand die Nachwahl des politischen Geschäftsführers auf der Tagesordnung. Es gab lediglich einen Kandidaten, der auch die Mehrheit der Stimmen erhielt. Zudem wurde die Spunk-Redaktion neu gewählt. (Zur Info: Die „Spunk“, ist die bundesweite Mitgliederzeitschrift der GJ). Die restlichen Anträge wurden beschlossen, wie z.B. zur Sicherheitsverwahrung.
Im Rückblick war es eine sehr erlebnisreiche Zeit. Hier gilt es auch, der Bundesgeschäftsstelle zu danken, die einen reibungslosen und gelungen Bundeskongress organisierte.
Ich kann nur jedem empfehlen, einmal auf einen Buko zu fahren. Man lernt unheimlich viele neue und interessante Leute kennen, viele politische Themen, die einen vorher kalt gelassen haben, erscheinen auf einmal wichtig und man hat jede Menge Spaß.
Einmal Buko, immer Buko – wer dabei war, weiß wie sehr dies zutrifft.
In diesem Sinne: Bis zum nächsten Buko!
Max Ziegler





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